„Anonyme“ bzw. vertrauliche Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt

Wichtig: Du bist bei einer vertraulichen Spurensicherung niemals verpflichtet, Anzeige zu erstatten!

Eine „anonyme“ bzw. vertrauliche Spurensicherung bietet die Möglichkeit, nach sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt direkt Spuren sichern zu lassen, um sich anschließend in Ruhe beraten lassen und Gedanken machen zu können, ob eine Anzeige gestellt werden soll.

Diese Art der Spurensicherung ist in Hamburg in der Rechtsmedizinischen Untersuchungsstelle für Opfer von Gewalt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) möglich. Eine Liste von Untersuchungsstellen außerhalb Hamburgs findet ihr unter diesem Link: Liste der Untersuchungsstellen

Es sind rechtsmedizinische Einrichtungen, die Spuren von körperlicher Gewalt in Form eines Gutachtens gerichtsfest dokumentieren. Dies ist für die Beweisführung vor Gericht höchst bedeutsam. Wie lange gesicherte Spuren sowie das Gutachten aufbewahrt werden, ist von der Institution abhängig. Für die psychische Versorgung und als Hilfe bei der Entscheidungsfindung über weitere Schritte bieten die Einrichtungen häufig Kontakte zu Beratungsstellen für Betroffene an.

Nach einer Vergewaltigung liegt das Zeitfenster für eine zuverlässige DNA-Spurensicherung bei 72 Stunden. Dies sollte dennoch nicht davor abschrecken, bei persönlichem Wunsch danach noch Spuren sichern zu lassen.

Was bedeutet „anonym“ bzw. vertraulich?

Die „anonyme“ Spurensicherung ist eher eine vertrauliche Spurensicherung. Die Daten müssen zweifelsfrei zugeordnet werden können, für den Fall, dass sich Betroffene später für eine Anzeige entscheiden. Daher ist die Spurensicherung nicht komplett anonym möglich, aber vertraulich: Alle Ärzt*innen und Mitarbeiter*innen in den Einrichtungen unterliegen einer Schweigepflicht, auch gegenüber der Polizei und Staatsanwaltschaft. Eine Weitergabe der Informationen an Dritte ist daher ohne Einverständnis der betroffenen Person nicht möglich. Da die Kosten von der zuständigen Krankenkasse übernommen werden, ist die Versichertenkarte wichtig. Für die Krankenkasse wird dies aber nur als gynäkologische Untersuchung ersichtlich sein.

Wo ist in Hamburg eine vertrauliche Spurensicherung möglich?

Universitäts-Klinikum Hamburg-Eppendorf
Rechtsmedizinische Untersuchungsstelle für Opfer von Gewalt
Butenfeld 34
22529 Hamburg
Tel.: 040 7410 – 52127 (24h erreichbar)
Eine telefonische Anmeldung ist zu empfehlen.
ifrhh@uke.de
Weitere Informationen auf der Website des UKE

In der Rechtsmedizinischen Untersuchungsstelle des UKE arbeiten Ärzte und Ärztinnen, die für die gerichtsfeste Dokumentation von Spuren spezialisiert sind. Es ist aber auch möglich, einen Arzt*eine Ärztin, z.B. Frauenärzt*in, des Vertrauens aufzusuchen.

Der Frauennotruf Hamburg kann auf Wunsch Ärzt*innen nennen, die erfahren und einfühlsam im Umgang mit sexualisierten Gewalterfahrungen sind. Weitere Hinweise und Informationen findet ihr auf der Website des Frauennotruf Hamburgs: Ärztliche Versorgung

FRAUEN NOTRUF – Fachberatungsstelle für vergewaltigte Frauen und Mädchen
Beethovenstr. 60
22083 Hamburg
Tel.: 040 – 255566
kontakt@frauennotruf-hamburg.de
www.frauennotruf-hamburg.de